Egbert Hörmann über „Tant qu’il nous reste des fusils à pompe“

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Tant qu’il nous reste des fusils à pompe (Caroline Poggi, Jonathan Vinel)
Egbert Hörmann (Mitglied des Berlinale Shorts-Auswahlkomitees) über „Tant qu’il nous reste des fusils à pompe“ („As long as shotguns remain“) von Caroline Poggi und Jonathan Vinel

Ein kleines, ausgestorbenes Dorf  in Südfrankreich, eine direkt körperliche, hochsommerliche Stimmung wie sonst nur bei André Téchiné zum Beispiel. Tant Qu´Il Nous Reste Des Fusils À Pompe (Caroline Poggi, Jonathan Vinel) verwebt stimmungsstark Elemente des Endzeit- und Science-Fiction-Films. Hier bedrückt nicht nur die Hitze. Langeweile, Überdruss, Arbeitslosigkeit, Müßiggang, frustriertes Testosteron, Rollenverunsicherungen, Homophobie und Leerlauf können

– einfach so, wie ein acte gratuit – schnell in Gewalt kippen.

Solange sie ihre Waffen haben – aber was sind sie denn ohne ihre Waffen? Eine Studie über männliches Verhalten in Männergruppen, die keine Ursachenforschung betreibt, sondern es atmosphärisch auslotet. Das kann ein diffus bedrohliches Unbehagen verursachen. Fellinis durchaus zärtlicher I Vitelloni von 1953 ist da schon sehr fern und heute so eigentlich nicht mehr denkbar, hier sind wir doch eher bei Claire Denis, der ja auch mit Beau Travail  ziemlich abwegige Leni-Riefenstahl-Affinitäten vorgeworfen wurde. Wie hohl diese reine Fassade der Männlichkeit ist, zeigen die letzten Sekunden des Film beiläufig, aber deutlich.Diese Jungmänner wollen (vorerst) nur spielen, ja ja, ungefährlich sind sie dennoch nicht…

Egbert Hörmann

Egbert Hörmann über „Sky Lines“

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Sky Lines (Nadine Poulain)
Egbert Hörmann (Mitglied des Berlinale Shorts-Auswahlkomitees) über „Sky Lines“ von Nadine Poulain

Von der träumerischen Entschleunigung des Blicks… Wenn ein japanischer Maler ein Bild beginnt, lässt er sich stundenlang Zeit dazu. Er zerkleinert den Tuscheblock, er bindet die Pinsel neu, er bereitet das Papier vor. All das, um vielleicht nur einige schnelle Striche auszuführen. Das Ritual, die Feier der Kunst. Feier einer Kunst ohne Zwänge, grenzenlos und frei. Hier schaffen die Linien die Illusionen, aber die schwarzen (oder weißen) Flächen definieren die Linien…

Kondensstreifen – wie lässt sich deren Faszination erklären, die allen Menschen eigen ist? Es ist ein ganz besonderes Schauspiel, das Raum gestaltet und uns Raum-, Unendlichkeits- und Transzendenzempfinden schenkt, bis es sich auflöst und verschwindet. Sky Lines (Nadine Poulain) ist das filmische Äquivalent dieser himmlischen Erscheinung. Der freie Flug der Formen. Rein malerische Flächen. Die Schaffung einer neuen Ordnung.  Sky Lines erinnert mit seinen Raum- und Linienkonstruktionen an russische Avantgardekünstler wie Malewitsch, Rodtschenko und Popowa etwa (aber auch an Objekte von Brancusi)  – ein suprematistisches Filmpoem, ganz auf der Höhe der Zeit.

Egbert Hörmann

Maike Mia Höhne: „Ohne eine Vision ist Filmemachen nicht möglich. Ohne eine Vision ist Filmezeigen nicht möglich. „

Berlinale Shorts Kurzfilmwettbewerb 2014
The directors of Berlinale Shorts 2014 (copyright: Heinrich Völkel)

Es geht ja nicht von selber. Nichts geht von selber. Schuß. Gegenschuß. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Wer, wenn nicht wir. Und so weiter. Es gibt viel zu tun, packen wir es an. Der Wettbewerb um den Goldenen Bären für den besten Kurzfilm.

Es gibt viele Gründe, Filme zu sehen. Der wohl wichtigste – eine Idee vom Anderen zu bekommen. Von einem Gegenüber, das nicht hier, aber eben dort, auf der Leinwand, eine Präsenz entwickelt – diesen berühmten Sog. Es geht um das Universum des Anderen. Einblicke in Gefühlswelten, Ideenwelten.

Wer, wenn nicht wir: Die Berlinale.

Der Ort, um Positionen zu zeigen, die Avantgarde sind. Um eine Haltung zu haben, braucht es die Lust an der Suche. Die Lust an dem unbekannten Dunklen, das vor einem liegt. Konstantina ist in Washingtonia einem Traum gefolgt. Ihr Film hat sich entwickelt, traumhaftes Sich-Versteigen. Es braucht viel Mut, um diesem Traum eine konkrete Abbildung zu geben. Hat sie getan. Der Traum von einem Herzen, das den Ton der Stadt angibt ist Realität geworden. Was ist das für eine Sehnsucht – die Sehnsucht nach einem Leitbild? Nach einer Regierung der Herzen.

Regierung. Keine Regierung. Wer regiert die Familie. Der Vater ist weg. Die Mutter gibt sich Mühe. Mehr als das. Der Sohn will Mann werden.
Regisseur Sam de Jong folgt in Marc Jacobs unaufgeregt jungen Jungs in der Vorstadt. Er untersucht ein zeitgenössisches Männerbild, das diesen jungen Jugendlichen in den Vorstädten mit den Hochhäusern immanent ist. Der Mann ist ein starker Mann. Stärke zeichnet sich durch Uniformierung aus, zeichnet sich durch ein Kopieren der Verhaltensweisen der Älteren aus. Die eine bestimmte Sonnenbrille muss es sein- Ray Ban tragen die Krieger. Marc Jacobs ist nichts für richtige Männer. Der kleine Junge will aber Marc Jacobs. Er sucht nach sich, er sucht sich in einer Vorstellung von Mann, die ihm angetragen wird. Sit Ups machen, Körper schauen, Seele pflegen? Wie? Die Realität will sich über ihn legen und er sucht nach einem Schlupfloch. Schwierig. Der Junge sitzt im Yogasitz  auf dem Balkon, als sich die Hand segnend über ihn legt. Geste. Wo bleibst du selber, innerhalb eines stark von Vorstellungen, Gesten, Aktionen bestimmten Außens.

Sam de Jong untersucht in seinen Filmen die Rolle von jungen Männern in unseren verschiedenen  Gesellschaften, Parallelgesellschaften: WE GO EUROPE INSHA’ALLAH ist ein Dokumentarfilm, über die afrikanischen und asiatischen Flüchtlingen, die in der griechischen Hafenstadt Petras im wahrsten Sinne des Wortes festhängen – an nichts mehr hängen, sich nicht bewegen können, sich verrennen – wohin? – mit aller Kraft. Mehr unter: http://samdejong.com/projects

Maike Mia Höhne

Saskia Walker über “Tant qu’il nous reste des fusils à pompe”

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Tant qu’il nous reste des fusils à pompe (Caroline Poggi, Jonathan Vinel)
Saskia Walker (Mitglied des Berlinale Shorts-Auswahlkomitees) über “Tant qu’il nous reste des fusils à pompe” (“As long as shotguns remain”) von Caroline Poggi und Jonathan Vinel

Ein Jugendlicher in einem südfranzösischen Pavillon-Viertel verliert im Hochsommer seinen besten Freund durch Selbstmord. Er beschliesst sich noch um seinen eigenen Bruder zu kümmern um dann dem Freund, der ihm noch als Geist nachgeht, in den Tod zu folgen. Der Bruder, bei dem man ein Kind erwartet, ist ein zielloser gewaltbereiter Mann, der Jugendliche schafft es ihm eine neue Familie zu finden die ihn versorgt: eine militärisch organisierte Strassengang, bei denen er Anerkennung (und Sex und Tattoos) finden soll. Die Aufnahmeprozedur ist militärisch, wie das französische „bizutage“ bei Studienanfängern. Der Neue wird zur Sau gemacht, dann ist er Mitglied.

Als Komödie wäre das zu ertragen, weniger als ernstgemeinter Spielfilm über gewalttätige sich langweilende junge Männer, dem bekannten Standardklischee. Wem nützt dieses simple, quasi träumerisch faschistoide Weltbild? Geht es nur um die Aufarbeitung des eigenen Kummers und der Feier, der tödlichen Langeweile von Bouloc (dem Geburtsort der einen Regiehälfte und Drehort in Midi / Pyrénees) entkommen zu sein? Ja der Film ist talentiert inszeniert, er hat einen bewussten und zielsicher eingesetzten Hang zu Pathos, gerne verstärkt durch geistliche Musik auf unerwarteten Bilder. Die Regie hat den Filmkanon studiert und zitiert frei. Die Haltung dieses von einem jungen Mann (Jonathan Vinel, 25) und einer jungen Frau (Caroline Poggi, 23) gemeinsam inszenierten Filmes erscheint mir schlicht, wie eine bittere Parodie:  Suizid ist das Ziel, Waffen sind die einzige Stütze, Gewalt ist Rausch. Hauptsache alle sind gut versorgt. Und gezielte Provokationen haben noch nie einer Karriere geschadet.

Saskia Walker

Egbert Hörmann über “Three Stones for Jean Genet“

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Three Stones for Jean Genet (Frieder Schlaich)
Egbert Hörmann (Mitglied des Berlinale Shorts-Auswahlkomitees) über “Three Stones for Jean Genet“ von Frieder Schlaich

„It must have been hard to be a cashier in a bookstore and to be surrounded by the history of your true loves…“

(Jim Carroll, Crow)

Sie ist die erste Dichterin, die uns der Rock´n´Roll geschenkt hat. Patti Lee Smith, Kohleofenvisionärin, Factory-Girl, Hendrix-Fan-extraordinaire, Rock´n´Roll-Schamanin in der Zone des Zwielichts, die ihre sahnigen Nachmittage in den amerikanischen Bars des Universums verbringt, den elekrischblauen Linoleumfußboden mit der graueneinflössenden und mystischen Gewissheit anstarrend, dass es nichts anderes zu tun gibt, als von jenen wild boys zu träumen, jenen unfassbaren Johnnys, die sich ihre Helden Arthur Rimbaud, William S.Burroughs, Pier Paolo Pasolini, Federico Garcia Lorca und Jean Genet morgens um 3 am Telefon ausgedacht haben …

Kurzfilme waren für Patti Smith bereits in ihrer Just-Kids-Zeit ein weiteres Experimentierfeld, auf dem man sich erproben konnte. Zum Beispiel entstanden so mit Robert Mapplethorpe Robert Having His Nipple Pierced (1971) und Still Moving (1978). In Three Stones For Jean Genet  (Frieder Schlaich) erzählt unsere fabelhafte Mythomanin von ihrer Liebe zu Jean Genet und einem Versprechen, das sie am Grab von Genet einlöste…

„Selten zuvor war die Rock´n´Roll-Musik so tief in die Nervenenden der Psyche getrieben worden,  wo es weite und ungeahnte Regionen gab, die zu erforschen und zu besiedeln waren – eine Musik, außergewöhnlich intellektuell, aber nicht akademisch, die Musik der Urbs technologica. Sie schien  unseren Bewusstseinszustand zu spiegeln, ein geistiges und emotionales Abenteuertum, das wenig Skrupel kannte und seltsam besessen war und von einigen pervers genannt wurde.“

Egbert Hörmann

Egbert Hörmann über „As Rosas Brancas“

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As Rosas Brancas (Diogo Costa Amarante)
Egbert Hörmann (Mitglied des Berlinale Shorts-Auswahlkomitees) über „As Rosas Brancas“ („The White Roses“) von Diogo Costa Amarante

„Die Trauer (den Kummer) nicht unterdrücken (törichter Gedanke, dass die Zeit sie überwindet), sondern sie verändern, transformieren, sie aus einem statischen Zustand (…) in einen flüssigen Zustand überführen.“

(Roland Barthes, Tagebuch der Trauer)

Von der Präsenz der Abwesenheit, von der wohligen, sicher auch schuldhaft empfundenen  Übersüße der Nostalgie, aber auch von der Verzweiflung über den Klebstoff, den das Leben zusammenhält, handelt As Rosas Brancas (Diogo Costa Amarante). Wie und was und warum festhalten, wie und was und warum loslassen, wenn man in einer Situation tief bewegt ist, dieser tiefen Bewegung doch gleichzeitig als ein erschrockener Fremder gegenübersteht?

Natürlich ist der Spielfilm seit seinen Anfängen mehr als erfüllt von Sterben und Tod (der amerikanische Film ist dabei besonders exzessiv obsessiv), seltsamerweise ist jedoch das Danach, die Trauerarbeit  recht selten das Thema eines Films, allenfalls kommt da Drei Farben Blau von Krzysztof Kieslowski in den Sinn, aber sonst eigentlich nicht mehr viel. Es ist aber auch schwierig: Was sind die angemessenen Ausdrucksmittel, um Trauer/Trauerarbeit zu zeigen, ohne in das Konventionelle, das Klischee zu rutschen? Den Satz von Emily Dickinson „After great pain, a formal feeling comes“ übersetzt  A Rosas Brancas wunderbar in symbolhafte, elegische Tableaux. Der Tod der Mutter wird nicht erklärt, wir können etwas ganz Schlimmes vermuten, er bleibt ein Geheimnis, nicht nur für uns, sondern auch für den Vater und die drei Kinder, die im Verlust eingefroren sind.

Egbert Hörmann

Réka Bucsi about her film „Symphony no. 42“

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Symphony no. 42 (Réka Bucsi)

I found it important not to interpret or point out certain things, so the characters and situations of the film can exist independently. I tried to stay neutral, to reveal, to present rather than form an opinion. I do not wish to offer a solution or a moral.

The basic idea of the film lies on an interesting human behavior, when witnessing an unknown situation, we unconsciously put it in context according to our own ideas. I wanted to utilize this and have the viewers automatically find their solutions for the given situations.The scenes are interlaced by diverse visual, auditive, sensory or other impressionistic associations. It was important to create a temporal and spacial structure that can tie together all the different locations and characters, so that the viewer can travel seamlessly.

Although the first phase of the making of the film was completely intuitive, in the course of the development a more concrete theme was unfolding and the scenes started to get arranged around it. These 47 observations are focusing on the interactions of humans and nature. Differences between human and animal diminish, everyone is doing their jobs and leaving traces. Every small movement affects another, building an unpredictable, irrational system. I find it soothing that the world around us is often irrational.

The fox, with it’s attempt to describe the material world, the rules of tiny particles that secretly determine our everyday life, sets another world in motion. We wander further and further, to the Milky Way in the fortune-teller’s crystal and it’s cosmic scales. After peeking into 47 scenes, we fall back to the forest, from which we were spying the same universe in the form of a star-spotted sky.

Réka Bucsi

Sky Lines – Shorts III

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Sky Lines (Nadine Poulain)
Sky Lines
by Nadine Poulain
(Serbia 2013, 10 min)

Synopsis (en):

Lines run their course. Spaces are forged. The sky is within reach.
Evolving lines are accompanied by a soundtrack which, after a powerful prelude, arranges calm and extremely clear sounds, at times in sync, at others contrapunctally, to accompany the appearing and disappearing lines.

Synopse (de):

Linien bahnen sich ihren Weg. Räume werden gespannt. Der Himmel wird greifbar. Begleitet werden die sich entwickelnden Linien von einem Soundtrack, der, nach einem gewaltigen Auftakt, ruhige und extrem helle Klänge mal synchron, mal kontrapunktisch zu den auftauchenden und wieder verschwindenden Linien arrangiert.

Solo te puedo mostrar el color – Shorts III

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Solo te puedo mostrar el color (Fernando Vílchez Rodríguez)
Solo te puedo mostrar el color“ – „I can only show you the color“
by Fernando Vílchez Rodríguez
(Peru 2014, 26 min)

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Synopsis (en):

2009, in the high plateau of the Peruvian jungle, near the border to Ecuador. The Canadian mining company, Dorato Resource Inc. forces their way into the depths of the primeval forest to search for mineral resources, without any regard for damage. They do this with the government’s permission, but without consent from the indigenous people, the Awajún natives who live there. Known for their fearlessness and courage, the Awajún stand up to the invaders. They know that they have international law on their side. But in the fight for their land they are brutally struck down by the ultraliberal government. Violence breeds counter-violence. Director, Fernando Vílchez Rodríguez follows the trail of violence and knows, that it is all about taking position.

Synopse (de):

2009 im Hochland des peruanischen Dschungels an der Grenze zu Ecuador. Die kanadische Aktien-Minengesellschaft Dorato Ressources Inc. dringt ohne Rücksicht auf Verluste tief in den Urwald vor, um dort nach Bodenschätzen zu graben. Sie tut dies mit Erlaubnis der Regierung, aber ohne Einwilligung der Indigenous People, der Awajún natives, die dort leben. Die Awajún, die für ihre Unerschrockenheit und ihren Mut bekannt sind, stellen sich den Eindringlingen. Sie wissen, dass sie das internationale Recht auf ihrer Seite haben. Doch im Kampf um das Land werden die Aufstände von der ultraliberalen Regierung brutal niedergeschlagen. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Regisseur Fernando Vílchez Rodríguez folgt den Spuren dieser Gewalt und weiß, dass es darum geht, eine Position zu beziehen.

Afronauts – Berlinale Shorts III

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Afronauts (Frances Bodomo)
Afronauts
by Frances Bodomo
(USA 2014, 14 min)

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Synopsis (en):

Inspired by true events, Afronauts tells an alternative history of the 1960s Space Race. It’s the night of July 16th 1969 and, as America prepares to send Apollo 11 to the moon, a group of exiles in the Zambian desert are rushing to launch their rocket first. They train by rolling their astronaut, 17-year-old Matha Mwamba, down hills in barrels to simulate weightlessness. As the clock counts down to blast off, as the Bantu-7 Rocket looks more and more lopsided, Matha must decide if she’s willing to die to keep her family’s myths alive. Afronauts follows the scientific zeitgeist from the perspective of those who do not have access to it.

Synopse (de):
Afronauts erzählt eine alternative Geschichte zum Rennen um den Mond, basierend auf wahren Begebenheiten. Es ist die Nacht des 16. Juli 1969, die USA bereiten den Abschuss der Apollo 11 zum Mond vor, als eine Gruppe von Exilanten in der Zambianischen Wüste ähnliches tut, nämlich ihre erste Rakete starten. Sie trainieren ihre Astronautin, die 17-jährige Matha Mwamba, in dem sie sie, in eine Tonne stecken und den Berg hinunterrollen. Das soll ihr helfen, die Schwerelosigkeit kennen zu lernen. Die Zeit rennt. Der Countdown läuft, die Bantu-7 Rakete steht schiefer und schiefer und Matha muss sich entscheiden, ob sie ihr Leben herschenken will, um die Mythen ihrer Familie aufrechtzuerhalten.Afronauts folgt dem wissenschaftlichen Zeitgeist aus der Perspektive derjenigen, die keinen Zugang, zu demselben haben.

Washingtonia – Shorts III

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Washingtonia (Konstantina Kotzamani)
Washingtonia
by Konstantina Kotzamani
(Greece 2013, 24 min)

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Synopsis (en):

‘Washingtonia’ is an alternative name for Athens. Washingtonia robusta is considered one of the world’s most elegant palm varieties, which is why it was imported to Greece for the Olympic Games in 2004 as the majority of indigenous palms had fallen prey to the red palm weevil, who eat the heart of the palm. The pests however, do not like to eat the hearts of the Washingtonia as they are too narrow.
Giraffes have the biggest hearts in the world, and their heartbeat dominates the world. In the midst of summer, when the heat is at its greatest, other animals are no longer able to hear the giraffe’s heart beating and confusion sets in. They search for the beat; that is the moment when strange things occur.
In the urban jungle of Athens, people encounter one another, forever searching.
They are creatures enveloped by tranquility. Fairy-like, they traverse the urban landscape, without knowing where they want to go. Their behaviour is influenced by yearning alone. A film about love.

Synopse (de):

„Washingtonia“ ist ein alternativer Name für Athen. Die Washingtonia robusta zählt zu den elegantesten Palmenarten weltweit. Deshalb wird sie 2004 für die Olympischen Spiele nach Griechenland importiert, wo zudem die Mehrzahl der heimischen Palmenarten dem Roten Käfer zum Opfer gefallen ist, der die Herzen der Palmen frisst. Die Herzen der Washingtonia schmecken dem Schädling jedoch nicht, weil sie so schmal sind.
Die größten Herzen der Welt haben die Giraffen. Ihr Schlag bestimmt die Welt. Mitten im Sommer, wenn die Hitze am größten ist, hören die anderen Tiere den Schlag des Giraffenherzens nicht mehr, und Verwirrung macht sich breit. Sie suchen nach dem Schlag; das ist der Moment, in dem merkwürdige Dinge geschehen.
Im Großstadtdschungel Athen begegnen sich die Menschen – immer auf der Suche. Eine Ruhe umgibt diese Wesen. Feengleich durchziehen sie die städtische Landschaft, ohne zu wissen, wohin sie wollen. Einzig die Sehnsucht bestimmt ihr Handeln. Ein Film über die Liebe.

darkroom – Shorts III

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darkroom (Billy Roisz)
darkroom
by Billy Roisz
(Austria 2014, 13 min)

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Synopsis (en):

Darkroom. Black. No sound. Not yet space. Then an explosion of both: Sound and image, and a trip through the darkness begins. A visual journey in which space is merged with sound and lines. At times we think we recognise – a screen, a Ficus benjamina, a row of chairs. A nothing. A red. The association to cinema is grasped at by the synapses, only to be forced to let it fall again, as the colours absorb the screen itself. They flash through the black. Musicians Dieter Kovacic and Peter Kutin compose sounds and atmospheres into a dense world of the abstract. Owing to the pace of the absolute composition of lines and colours, Billy Roisz avoids contextualisation, thereby creating an area of tension for one’s own subjecive perception that is allowed to roam outside the perimeters of narrative prerequisites. Such an opportunity is a liberty in a world in which the story, with all of its dramaturgical rules, has taken up maximum space.
After her 2012 film ZOUNK!, Billy Roisz is once again represented in competition at Berlinale Shorts.

Synopse (de):

Darkroom. Schwarz. Kein Ton. Noch kein Raum. Dann ein Explodieren von beidem: Ton und Bild, und die Fahrt durch das Dunkel beginnt. Eine visuelle Reise, in der Raum mit Ton und Linien verschmilzt. Manchmal glauben wir zu erkennen – eine Leinwand, ein Ficus benjamina, eine Reihe von Stühlen. Ein Nichts. Ein Rot. Die Assoziation zum Kino verfängt sich in den Synapsen, nur, um sie gleich wieder verlassen zu müssen, weil die Farben selber die Leinwand übernehmen. Sie durchzucken das Schwarz. Die Musiker Dieter Kovacic und Peter Kutin komponieren Töne und Atmosphäre zu einer dichten Welt des Abstrakten. Durch die Geschwindigkeit der absoluten Komposition von Linien und Farben entzieht sich Billy Roisz einer Kontextualisierung und schafft so ein Spannungsfeld für eine eigene subjektive Wahrnehmung, die sich ganz außerhalb von erzählerischen Notwendigkeiten bewegen darf. Diese Möglichkeit ist eine Freiheit in einer Welt, in der die Geschichte mit ihren dramaturgischen Regeln größtmöglichen Raum eingenommen hat. Nach 2012 mit ZOUNK! ist Billy Roisz erneut im Wettbewerb der Berlinale Shorts vertreten.

WONDER – Shorts II

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WONDER (Mirai Mizue)

WONDER

by Mirai Mizue

(France / Japan 2013, 8 min)

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Synopsis (en):

Comparable to a colour organ, in which visual effects are produced when a musical key is struck, this film is a journey to the world of cells and structures. Music and sound, sequences of colour and movement, tones and rhythmised oscillations: abstract animation.
In order to create the film Wonder, animation artist Mirai Mizue uploaded a one second film, or more specifically, 24 pictures on the Internet every day, on 365 consecutive days. Like a trapeze artist without a safety net, he refrained from using a storyboard and relied solely on his intuition. Along with the orchestral group Pascals, he breathed life into the cells.
The direct liaison between painting and film has been an important testing ground for artists since the early days of film history. The most significant representatives of the particularly strong experimental movement of abstract and absolute film in the twenties and thirties, were Walter Ruttmann, Oskar Fischinger and Hans Richter. This work by Mirai Mizue forges an artistic arc to the present day.

Synopse (de):

Vergleichbar einem Farbenklavier, bei dem durch das Niederdrücken der Tasten in Verbindung mit den Klängen optische Effekte erzeugt werden, ist dieser Film eine Reise in die Welt der Zellen und Strukturen. Musik und Klang, Abfolgen von Farben und Bewegungen, von Tönen und rhythmisierten Schwingungen: abstrakte Animation.
Für den Film Wonder hat der Animationskünstler Mirai Mizue an 365 aufeinanderfolgenden Tagen täglich einen Film von einer Sekunde beziehungsweise 24 Bildern Länge im Internet hochgeladen. Gleich einem Trapezkünstler ohne sicherndes Netz zeichnete er kein Storyboard, sondern folgte allein seiner Intuition. Zusammen mit der Orchestergruppe Pascals hauchte er den Zellen Leben ein.
Die direkte Verbindung von Malerei und Film war seit den Anfängen der Filmgeschichte ein wichtiges Versuchsfeld für Künstler. Die bedeutendsten Vertreter der besonders in den Zwanziger- bis Dreißigerjahren starken experimentellen Strömung des abstrakten oder auch absoluten Films waren Walter Ruttmann, Oskar Fischinger und Hans Richter. Mirai Mizue schlägt den Bogen ins Heute.