The Austrian cinematographer and filmmaker Angelika Spangel studied educational science at the University of Vienna and subsequently trained in cinematography and mise-en-scène at the Vienna Film Academy in the class of Wolfgang Thaler, whom she assisted on numerous productions. She was cinematographer on the medium-length fiction film Strangers in the Night (directed by Matthias Krepp), which premiered at the Karlovy Vary International Film Festival and was nominated for the Michael Ballhaus Award. Ein Unfall is her first short film as a director.
What was your starting point for „Ein Unfall“?
Ein Bild. Drei schwarz gekleidete Frauen, winzige Punkte auf einem gelbbraunen Feld. Flach, fast unbeweglich – eher ein Gemälde als ein filmisches Motiv. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Vorstellung davon, welcher Film daraus entstehen würde. Obwohl dieses Bild nur noch lose mit der Erzählung und den drei Geschichten im Dorf verbunden ist, hat es bis in den finalen Schnitt überlebt. Für mich funktioniert es wie eine Fermate in einem Musikstück: ein kurzes Innehalten, ein Moment der Konzentration, der die Wahrnehmung schärft, bevor es weitergeht.
Do you have a favorite moment in the film? Which one and why this one in particular?
Der Mopedsturz. Vor allem, weil er völlig unerwartet kommt und sich dann ganz anders auflöst, als man zunächst annimmt. Der Bub fährt weinend mit dem Moped davon, dann ein harter Schnitt: Das Moped stürzt eine Böschung hinunter. Im ersten Moment denkt man unweigerlich: Oh nein, ein Unfall. Erst danach wird klar, dass er das Moped absichtlich kaputt machen wollte. Hier taucht man wieder tiefer in die Geschichte ein und beginnt zu fragen, warum er das tut. Im besten Fall führt diese Frage erneut zum Kernthema des Films: Schuld und Scham.
Das Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer:innen ist zentral für den Film. Mehrere solcher Momente durchziehen die Erzählung – Situationen, die wie Notfälle oder Unfälle wirken, es aber nicht sind, und andere, die ganz unscheinbar daherkommen und es eigentlich wären. Momente, in denen sich die Frage stellt, ob man nicht doch hätte eingreifen sollen.
What do you like about the short form?
Die Notwendigkeit zur Verdichtung. Besonders dann, wenn mehrere Geschichten erzählt werden sollen. Die begrenzte Länge ist schnell eine Einschränkung, zugleich aber auch eine Chance, weil sie zu Präzision zwingt. Gemeinsam mit Sophia Wiegele (Drehbuch und Kamera), Daniel Rutz (Schnitt) und Shirin Hooshmandi (Produktion) habe ich versucht, auf engstem Raum viel zu erzählen – mit klaren, einfachen Bildern, die bewusst ausschnitthaft gewählt und minutiös montiert sind. Wie Puzzleteile verweisen sie aufeinander und entfalten ihre Bedeutung erst in der konkreten Konstellation. So entsteht ein dichtes Geflecht aus Bezügen, das über die drei Einzelgeschichten hinausweist und das Publikum einlädt, die Zusammenhänge selbst weiterzudenken.
*************************************************************************************
PRESS REVIEWS