Egbert Hörmann über „Tant qu’il nous reste des fusils à pompe“

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Tant qu’il nous reste des fusils à pompe (Caroline Poggi, Jonathan Vinel)
Egbert Hörmann (Mitglied des Berlinale Shorts-Auswahlkomitees) über „Tant qu’il nous reste des fusils à pompe“ („As long as shotguns remain“) von Caroline Poggi und Jonathan Vinel

Ein kleines, ausgestorbenes Dorf  in Südfrankreich, eine direkt körperliche, hochsommerliche Stimmung wie sonst nur bei André Téchiné zum Beispiel. Tant Qu´Il Nous Reste Des Fusils À Pompe (Caroline Poggi, Jonathan Vinel) verwebt stimmungsstark Elemente des Endzeit- und Science-Fiction-Films. Hier bedrückt nicht nur die Hitze. Langeweile, Überdruss, Arbeitslosigkeit, Müßiggang, frustriertes Testosteron, Rollenverunsicherungen, Homophobie und Leerlauf können

– einfach so, wie ein acte gratuit – schnell in Gewalt kippen.

Solange sie ihre Waffen haben – aber was sind sie denn ohne ihre Waffen? Eine Studie über männliches Verhalten in Männergruppen, die keine Ursachenforschung betreibt, sondern es atmosphärisch auslotet. Das kann ein diffus bedrohliches Unbehagen verursachen. Fellinis durchaus zärtlicher I Vitelloni von 1953 ist da schon sehr fern und heute so eigentlich nicht mehr denkbar, hier sind wir doch eher bei Claire Denis, der ja auch mit Beau Travail  ziemlich abwegige Leni-Riefenstahl-Affinitäten vorgeworfen wurde. Wie hohl diese reine Fassade der Männlichkeit ist, zeigen die letzten Sekunden des Film beiläufig, aber deutlich.Diese Jungmänner wollen (vorerst) nur spielen, ja ja, ungefährlich sind sie dennoch nicht…

Egbert Hörmann

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