BERLINALE SHORTS 2016 – EIN FILMISCHER ESSAY

25 Filme aus 21 Ländern konkurrieren um den Goldenen und den Silbernen Bären, die Nominierung für den European Film Award und den in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgelobten Audi Short Film Award, der mit 20.000 € dotiert ist. Hinzu kommt der Film Los murmullos von 1976, der außer Konkurrenz läuft. Die Kurzfilmjury 2016 bilden die Kuratorin und Direktorin der Sharjah Biennale aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Sheikha Hoor Al-Qasimi, die griechische Kuratorin und Autorin Katerina Gregos und der israelische Filmemacher Avi Mograbi.

Im Wettbewerb der Berlinale Shorts werden unter anderem Filme von Gabriel Abrantes, Pimpaka Towira, Réka Bucsi, Ben Russell, Mahdi Fleifel, Christoph Girardet & Matthias Müller und Siegfried A. Fruhauf zu sehen sein.

Dang Tuan Anh, Vu Do Quang Minh, Khong Viet Bach, Hoang Ha, Nguyen Bui Khanh Trung und Vu Duc Hanh inAnother City von Pham Ngoc Lan

„Die Berlinale Shorts 2016 bilden miteinander einen Körper, einen Filmessay – weit über den einzelnen Film hinaus geben sie einem größeren Bestreben Raum: Die Sehnsucht nach dem Ankommen spiegelt sich in vielen der ausgewählten Filme wider – egal aus welchem Teil der Welt sie kommen. Alle wollen ankommen“, kommentiert Kuratorin Maike Mia Höhne die Auswahl. Schon im Titel trägt es der neue Dokumentarfilm von Mahdi Fleifel A Man Returned – sein Protagonist ist nach drei Jahren in Griechenland zurück im palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon und bereitet, unbeirrt von Drogen und Kriegshandlungen, seine Hochzeit vor. Jonathan Vinel in Kollaboration mit Caroline Poggi, das Gewinnerduo des Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm 2014, kreiert in Notre Héritageeinen neuen filmischen Look: Sie verbinden pornografische Archivbilder von Pierre Woodman mit der Ästhetik der Computerspiele und lassen so die alte Geschichte von der Suche des Sohnes nach dem Vater in neuem Licht erscheinen. In Portugal werden Frösche aus Ton in den Läden aufgestellt, um zu verhindern, dass Roma hineinkommen. Die Regisseurin Leonor Teles findet in Balada de um Batráquio einen Weg, in die Läden zu kommen.
Das bekannteste deutsche Experimentalfilmduo Matthias Müller und Christoph Girardet präsentiert mit personne seinen neuesten Film im Wettbewerb. personne ist der Einzelne auf der Suche nach sich selbst, im Spiegel des europäischen und amerikanischen Erzählkinos.

Los murmullos von Rubén Gámez aus dem Jahr 1976 ist eine Zäsur im Neuen Lateinamerikanischen Kino. Anders als seine Kollegen, die mit ihrem „dritten Kino“ die Gesellschaft spiegeln und direkt verändern wollten, lässt Rubén Gámez seine Protagonisten offen sprechen und montiert einen sehr ruhigen Film über die Verhältnisse der Arbeiter und Bauern, der mit Blick auf die derzeitigen TTIP-Verhandlungen eine beunruhigende Aktualität hat. Aktuell auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung: In Reluctantly Queer von Akosua Adoma Owusu schreibt der Protagonist seiner Mutter einen Brief nach Ghana.

Filme der Berlinale Shorts 2016:

Another City, Pham Ngoc Lan, Vietnam, 25’ (WP)
Bai Niao (Weißer Vogel), Wu Linfeng, Volksrepublik China, 30’ (WP)
Balada de um Batráquio (Ballade der Batrachia), Leonor Teles, Portugal, 11’ (WP)
El Buzo (Der Taucher), Esteban Arrangoiz, Mexiko, 16’ (IP)
Das águas que passam (Vorbeifließende Wasser), Diego Zon, Brasilien, 23’ (WP)
Estate (Sommer), Ronny Trocker, Frankreich / Belgien, 7’ (WP)
Freud und Friends, Gabriel Abrantes, Portugal, 23’ (EP)
He Who Eats Children, Ben Russell, USA, 25’ (WP)
Hopptornet (Zehn-Meter-Turm), Axel Danielson & Maximilien Van Aertryck, Schweden, 17’ (IP)
In the Soldier’s Head, Christine Rebet, USA / Frankreich, 4’ (WP)
Jin zhi xia mao (Ankern verboten), Chiang Wei Liang, Taiwan, 16’ (IP)
Kaputt, Volker Schlecht & Alexander Lahl, Deutschland, 7’ (WP)
Love, Réka Bucsi, Frankreich / Ungarn, 14’ (WP)
A Man Returned (Ein Mann kehrt zurück), Mahdi Fleifel, Großbritannien / Niederlande / Dänemark, 30’ (IP)
Moms On Fire, Joanna Rytel, Schweden, 12’ (IP)
Los murmullos (Gemurmel), Rubén Gámez, Mexiko, 25’ – Außer Konkurrenz
Notre Héritage (Unser Vermächtnis), Jonathan Vinel in Zusammenarbeit mit Caroline Poggi, Frankreich, 24’ (WP)
Oustaz, Bentley Brown, Tschad, 21’ (WP)
personne, Christoph Girardet & Matthias Müller, Deutschland, 15’ (WP)
Prelude to the General, Pimpaka Towira, Thailand, 11’ (WP)
Reluctantly Queer, Akosua Adoma Owusu, Ghana / USA, 8’ (WP)
Six Cents in the Pocket (Sechs Cent in der Tasche), Ricky D’Ambrose, USA, 14’ (IP)
Tsomet Haruhot (Die Windeskreuzung), Rotem Murat, Israel, 22’ (IP)
Die Unzugänglichkeit der griechischen Antike und ihre Folgen, Gerrit Frohne-Brinkmann & Paul Spengemann, Deutschland, 13’ (WP)
Vintage Print, Siegfried A. Fruhauf, Österreich, 13’ (IP)
Vita Lakamaya, Akihito Izuhara, Japan, 8’ (WP)

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