Stump the Guesser / through the eyes of…

Stump the Guesser seen through the eyes of Egbert Hörmann, member of the preselection team of Berlinale Shorts:

According to Marcel Proust, climate and landscape are the two addenda that form and shape a person (to this you could add a third: a cruel and merciless biography). And so Guy Maddin is, unmistakably, somewhat Canadian. Wide open spaces with their sense of infinity have, by their very nature, a strange effect on the human psyche… If there were any justice, Maddin would be an acclaimed box-office hit like David Lynch. But he remains an insider’s tip among cineastes who appreciate his incomparable and powerful artistic vision with its steadfastness and stringency. In “Stump the Guesser”, he confidently and humorously plays with the silent-film genre while also giving things a certain Pop Art kick. A fairground fortune teller loses his clairvoyant abilities when he falls in love with his long-lost sister. He sets out to scientifically disprove genetic theory so he can marry her as quickly as possible. But then his beloved is already taken…

With a running time of just 19 minutes, this is a breakneck homage to the (German) expressionist, Soviet and surrealist cinema of the 1920s, with a nod to Grand Guignol. The magic of light, the mysterious play of light and shadow and the stylised fantastic are the film’s defining formal elements, while in terms of content it is demons and living ghosts, the insane, the gruesome, the sinister powers and the satanic. This is the demonic screen as described by Lotte H. Eisner in her characterisation of German silent and early sound films.

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Egbert Hörmann is an author, translator and member of the Berlinale selection comittee since 1995.

2.STG_Fishmonger Displays his Wares

Stump the Guesser durch die Augen von Egbert Hörmann, Mitglied der Auswahlkommission der Berlinale Shorts:

Nach Marcel Proust sind Klima und Landschaft die beiden Summanden, die den Menschen formen und gestalten (und man könnte noch einen dritten hinzufügen, die unerbittliche und grausame Geschichte), und so ist Guy Maddin auf unvergleichliche Weise doch irgendwie kanadisch. Weite Räume mit ihrer Unendlichkeit haben ja naturgemäß eine sonderbare Wirkung auf den menschlichen Geist … Gäbe es eine Gerechtigkeit, so wäre er ein berühmter Kassenschlager wie etwa David Lynch, aber so ist er eben immer noch ein Geheimtipp unter den Cineasten, die seine unvergleichliche, kraftvolle künstlerische Vision, ihre Unbeirrtheit und Stringenz zu schätzen wissen. In „Stump the Guesser“ spielt er souverän und humorvoll mit dem Genre des Stummfilms, gibt allem aber auch den gewissen Pop-Art–Kick. Ein Wahrsager auf dem Rummelplatz verliert seine hellseherischen Fähigkeiten, als er sich in seine längst verloren geglaubte Schwester verliebt. Er macht sich auf, um die Vererbungslehre wissenschaftlich zu widerlegen, damit er sie schnellstmöglich heiraten kann. Aber dann ist die Angebetete schon vergeben …

In gerade mal 19 Minuten ist dies eine rasante Hommage an den (deutschen) expressionistischen, den sowjetischen und den surrealistischen Film der zwanziger Jahre, aber auch an das Theater des Grand Guignol. Die Magie des Lichts, geheimnisvolle Licht- und Schatten-Spiele und das stilisiert Phantastische bestimmen den Film formal, inhaltlich sind es Dämonen und lebende Gespenster, das Irre, Schauerliche, finster Mächtige und Teuflische. Es ist die dämonische Leinwand, die Lotte H. Eisner in ihrer Darstellung des deutschen Stumm- und frühen Tonfilms beschrieb.

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Egbert Hörmann ist Autor und Übersetzer und sichtet seit 1995 Filme für die Berlinale.

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