HaMa’azin / through the eyes of…

HaMa’azin seen through the eyes of Moritz Nikolas Maul:

Among all the individually impressive films in this year’s selection, I have a special attachment to HaMa’azin (Listening In) by Omer Sterenberg. This is for many reasons, not least the wonderfully precise and subtle filming, the extraordinarily nuanced acting and the fact that the film is not “just” politically but also socially relevant on a global scale.

It also has a further, personal significance to me.

It reminds me of the previous half year at Berlinale Shorts.

It reminds me of the magic that a story ignites when we allow it to touch us and the believe in the illusion that we really have that choice.

In my position as a viewing intern, I didn’t watch most of the films directly. Instead, I just prepared and followed up on the viewings. However, whenever I could find the time and/or a comment from a viewer caught my attention, I put on my headphones, leaned forward in my chair and watched spellbound to see which story would unfold on my computer screen this time. And if I learned one thing from this process, it is that we cannot choose what affects us.

The great thing about short films is that they can be made all over the world with relatively simple means and usually without the need for big investors or production companies. This means their creative independence is maintained and the individual stories are not obliged to submit to commercial imperatives. And this is what makes every short film its very own little universe. A universe that has its origin in the mind of individuals, and yet moves far beyond the borders of a single mind to draw other people into its spell and invite us to explore it. At first glance, the story may seem quite strange and to offer little overlap with our everyday reality, country of origin, gender or religion. And yet, when a film has something special, a personal vision, a spark, we cannot resist its pull. We dive deep into unfamiliar universes and unexpectedly, in the end, also discover something about ourselves. This can be alarming. It can stir us up and make us want to shut our eyes again.

This is what happens to the young soldier in HaMa’azin who, by discovering the story of a couple he doesn’t know, also discovers new parts of himself. Even when he struggles against it. Even when he doesn’t like what he finds because his external circumstances mean that he isn’t allowed to. Ultimately, he decides against this part of himself, betrays it and thus dives back into safe conformity.

I stick by what I have learned: we can’t choose which stories we permit to touch us.

However, I’ve also learned that not everyone has the privilege of giving this touch the space it needs to unfold. Often it is limited by external circumstances and the consequences of doing so would be too painful.

HaMa’azin plays its part in making this fact visible and thus opens up the possibility of changing it.

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Moritz Nikolas Maul worked as the viewing & programm intern of Berlinale Shorts 2020 and is studying Film Studies at the Free University Berlin

 

 

 

HaMa'azin_© Shiri Kuban_1

HaMa’azin durch die Augen von Moritz Nikolas Maul:

Unter all den individuell beeindruckenden Filmen der diesjährigen Selektion, habe ich zu HaMa’azin von Omer Sterenberg eine besondere Bindung. Dies hat mehrere Gründe und liegt zum einen an der wunderschön präzisen und subtilen Inszenierung, dem herausragend fein nuancierten Schauspiel und der, nicht „nur“ politischen, sondern global gesellschaftlichen Relevanz.

Darüber hinaus hat der Film für mich jedoch noch einen weiteren, persönlichen Wert.

Er erinnert mich an mein vergangenes halbes Jahr bei den Berlinale Shorts.

Er erinnert mich an die Magie, die eine Geschichte entfacht, wenn wir ihr erlauben uns zu berühren und an die Illusion zu glauben, dass wir diese Wahl wirklich haben.

In meiner Position als Sichtungspraktikant habe ich die meisten Filme zwar nicht direkt gesichtet, sondern die Sichtungen nur vor- und nachbereitet. Wann immer ich jedoch die Zeit finden konnte und/oder ein Kommentar der Sichter zu einem Film meine Aufmerksamkeit erregte, setzte ich mir ein Headset auf, lehnte mich im Stuhl vor und schaute gebannt zu, welche Geschichte sich diesmal auf meinem Computerbildschirm entfaltete. Und wenn ich dabei eins gelernt habe, dann, dass wir uns nicht aussuchen können, was uns dabei berührt.

Das tolle am Kurzfilm ist, dass er schon mit relativ leichten Mitteln und meist ohne große Investoren und Produktionsfirmen überall auf der Welt entstehen kann. Dabei bleibt die kreative Unabhängigkeit gewahrt und die eigene Geschichte muss sich nicht der kommerziellen Verwertbarkeit unterwerfen. Und das macht jeden Kurzfilm zu einem eigenen kleinen Universum. Ein Universum, das im Geiste einzelner Menschen seinen Ursprung hatte, nun jedoch weit über die Grenzen des Verstandes andere Menschen in seinen Bann zieht und  erkunden lässt. Dabei kann die Geschichte auf den ersten Blick noch so fremd sein und wenig Überschneidungen, wie in Lebenswirklichkeit, Herkunftsland, Geschlecht und Religion bieten, wenn sie etwas Besonderes hat, eine persönliche Vision, einen Funken, können wir nicht umhin uns dem Sog hinzugeben. Tief ins fremde Universum einzutauchen und am Ende unerwartet auch etwas von uns selbst zu finden. Das kann beängstigend sein, es kann uns aufwühlen und in uns den Wunsch wecken die Augen wieder zu verschließen.

So ergeht es auch dem jungen Soldaten in HaMa’azin, durch die Geschichte eines fremden Paares entdeckt er sich selbst. Auch wenn er damit hadert. Auch wenn ihm nicht gefällt was er findet, weil es ihm aufgrund seiner äußeren Umstände nicht gefallen darf. Am Ende entscheidet er sich dann gegen diesen Teil seiner selbst, verrät ihn und taucht damit wieder ab, in die sichere Gleichförmigkeit.

Ich bleibe dabei, ich habe gelernt, dass wir nicht entscheiden können, welche Geschichten uns berühren dürfen.

Ich habe jedoch auch gelernt, dass nicht jeder das Privileg hat, dieser Berührung auch den benötigten Raum zur Entfaltung zu gestatten, weil dieser oft von äußeren Umständen begrenzt wird und die Konsequenzen zu schmerzhaft wären.

Diesen Umstand sichtbar zu machen und damit veränderbar, dazu trägt HaMa’azin seinen Teil bei.

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Moritz Nikolas Maul arbeitete als Programm- und Sichtungspraktikant im Team der Berlinale Shorts 2020. Er studiert Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

 

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